
EIDOLON
Heike Gallmeier, Andi Gut

Pavillon am Milchhof
Schwedter Str. 232, Berlin, Berlin 10435
Admission
Free Admission
Die Ausstellung ist im Ausstellungszeitraum nach Absprache unter 0170 9637397 zu besichtigen und jederzeit von außen.
About
Eidolon bezeichnet in der griechischen Philosophie das Schattenbild eines Toten und steht zugleich für den Begriff des Bildes, als mentales Bild, als Abbild, Schatten und Trugbild. Heike Gallmeier und Andi Gut interessieren sich auf je eigene Art für die symbolische Aufladung von Schatten- und Abbildern. Andi Gut ist Goldschmied, Schmuckkünstler und Professor für Schmuck an der Hochschule in Pforzheim. Sein Interesse gilt der Frage, wie Material und Form im Verhältnis zum Körper eine symbolische Wirkung entfalten. Heike Gallmeier arbeitet im Feld der erweiterten Malerei. Sie bezieht sich oft auf Bilder der Kunstgeschichte, die sie durch das Auge der Fotokamera als dreidimensionale Installationen nachbildet, transformiert und aktualisiert. Aus den inszenierten Räumen entstehen aus einem bestimmten Blickwinkel fotografiert vorwiegend analoge Fotografien. Diese werden meist wieder in installativen Kontexten gezeigt. So auch hier: Fragmente aus der Installation »Die Toteninsel«, aus denen die Fotografie an der Stirnwand des Pavillons entstanden ist, sind in einer neuen Konstellation im Pavillon inszeniert. Heike Gallmeier bezieht sich in dieser Werkgruppe auf das gleichnamige Gemälde von Arnold Böcklin. Der Baum, der in der ursprünglichen Installation den Standpunkt des Betrachters markiert, aus der sich Gallmeiers Installation im Raum zu einem Bild fügt, wird nun Träger für Andi Guts Schmuck-Objekt. Dieses wiederum gibt das in ihm enthaltene Bild erst als Schatten preis, wenn man es aus einer bestimmten Perspektive beleuchtet. Der Armreif trägt seine symbolische Form nicht direkt erkennbar in sich. Er wirkt amorph, mit organischen, nicht klar definierbaren Formen. So könnte er im Alltag, am Körper getragen, als verstecktes Memento Mori funktionieren, als Erinnerung an die eigene Sterblichkeit. Erst die Leerstellen in der glänzenden, materiellen Gestalt des Objekts ermöglichen im Zusammenspiel mit Licht und Schatten das Erscheinen des Symbols. Auch in Heike Gallmeiers Arbeit wird die Leerstelle zentral, als frei im Raum stehendes Cut-Out der Bildfigur. In diesem Umriss können die Betrachtenden sichtbar werden, wenn sie die begehbare Installation betreten. Sie treten so zweifach in den Bildraum ein.