
Menschennatur in Farbe – Die emotionale Topografie der Körperbilder von Karin Scheucher
Karin Scheucher
Kunstgalerie Berlin Achtzig
Weißenhöher Str. 14, Berlin, Berlin 12683
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Zwischen sinnlicher Erdverbundenheit und psychologischer Tiefe entfaltet sich die neue Ausstellung der österreichischen Künstlerin Karin Scheucher in der Kunstgalerie Berlin Achtzig unter der kuratorischen Leitung von Dietrich Willerscheid. Vom 02. Mai 2025 bis zum 14. Juni 2026 sind ausgewählte figurative Acrylwerke aus ihrem zentralen Œuvre-Zyklus zu sehen, der die emotionale Beschaffenheit menschlicher Beziehungen in malerische Körperlandschaften übersetzt. Scheuchers gemalte Körper sind nicht Abbilder – sie sind Empfindungsräume. Die in Erd-, Ocker- und Naturtönen gehaltenen Arbeiten verknüpfen figürliche Lesbarkeit mit der Poesie des Andeutenden. Die Ausstellung zeigt exemplarisch drei Hauptwerke aus dem Jahr 2015, die exemplarisch für Scheuchers malerische Sprache stehen: ### Werkbetrachtung 1: „Märchenmenschen 1“ (2015, Acryl auf Leinwand, 100 × 80 cm) Diese Bildkomposition zeigt zwei menschliche Figuren in lasierender Überlagerung. Sie erscheinen wie aus einer mythischen Vergangenheit – entrückt, still und in sich versunken. Die Mischtechnik auf Acrylbasis erzeugt transparente Farbschleier, die Haut nicht definieren, sondern emotional aufladen. Die Umrisse sind zart, fast vergehend, was den Eindruck eines Übergangs zwischen Welt und Erinnerung erzeugt. Die gewählten Naturfarben – Sepia, Umbra, Kalkweiß – betonen das Archaische, das Intime. Die Märchenmenschen sind Projektionsfiguren – offen für Erinnerung, Nähe, Verlust. ### Werkbetrachtung 2: „Paar 2“ (2015, Acryl auf Leinwand, 70 × 100 cm) In „Paar 2“ begegnen sich zwei Körper in einer Momentaufnahme zwischen Zuneigung und Distanz. Die Körper sind angedeutet, ineinander verschoben, aufgelöst in fließende Farbformen. Die hellen Schichten stehen im Dialog mit dunklen Kontrasten, als würde sich Licht gegen das Verborgene behaupten. Karin Scheucher nutzt gezielt farbliche Reduktion: Ocker, Rost, Sand und Asche dominieren, um die emotionale Spannung zwischen den Figuren zu akzentuieren. Diese Szene bleibt bewusst unkonkret und verweist doch auf das Allgemeine: Nähe verlangt Verletzlichkeit. ### Werkbetrachtung 3: „Märchenmenschen 2“ (2015, Acryl auf Leinwand, 100 × 70 cm) Dieses Werk bildet das emotionale Zentrum der Ausstellung. In „Märchenmenschen 2“ sind die Figuren fast gänzlich abstrahiert. Nur noch Andeutungen von Gesichtern, Körpern, Bewegungen. Der Raum ist atmosphärisch dicht – eine schwebende Struktur aus Lasuren, die über Farbschichten hinweg eine psychologische Tiefe erzeugt. Der Körper wird hier nicht dargestellt, sondern erahnbar gemacht. Eine malerische Erinnerung an Berührung, an Nähe, an das Menschsein selbst.