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Beyond the Facade

Kosuke Nakane

Jun 12 – Aug 9

Künstlerhaus Bethanien
Alternative Space

Künstlerhaus Bethanien

Kottbusser Str. 10/d, 10999 Berlin, Germany 10999

Wed–Sun 2pm–7pm, during exhibition periods, free entry

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About

Kosuke Nakanes Arbeiten laden uns ein, unsere städtischen Lebensräume neu zu entdecken. In seiner Malerei werden Straßen und Plätze, Häuser und Gärten überführt in eine Reflexion über die Alltäglichkeit und die Vergänglichkeit. Dabei entziehen sie sich einer allzu vertrauten Rezeption von Malerei: Seine Motive behaupten ihre Dreidimensionalität auf dem flachen Untergrund und agieren autonom mit dem Licht und den Schatten der realen Welt. In seiner neuen Serie _facade_ (2026) verweben sich dreidimensionale Fragmente mit gemalten Illusionen zu in sich geschlossenen Räumen. Sanfte Rillen begegnen präzisen Geometrien: das Spielerische und das Planerische überlagern sich zu einem vielschichtigen Raumensemble. Die Arbeiten versetzen den Blick der Betrachter\*innen fortwährend in Bewegung: Nähe und Ferne, Fläche und Tiefe, Objekt und Bild kippen ineinander. Auf den ersten Blick erscheinen diese Formen konstruktiv schlüssig, enthalten jedoch bei genauer Betrachtung irritierende Unregelmäßigkeiten wie perspektivische Verzerrungen, fragile Verschiebungen oder Strukturen, die der Schwerkraft entzogen scheinen. Sie erinnern an biologische Zellen, organische Haut oder utopische Stadtlandschaften. Der Reichtum der von ihnen ausgehenden Assoziationen macht uns keine Vorgaben; er bleibt in viele Richtungen offen und anschlussfähig. Kosuke Nakane bezieht sich in seiner Arbeit auf das ästhetische Prinzip mitate: die poetische Umdeutung von Dingen, durch die Bekanntes und Vertrautes in neuem Zusammenhang erscheint. Während frühere Arbeiten wie Hako-Niwa (2019–2024), mit mitate Übergänge zwischen Natur und Zeit umdeuten, richtet sich _facade_ (2026) auf die Uneindeutigkeit räumlicher Wahrnehmung. Mitate wird hier zu einem Verfahren, durch das reale und virtuelle Bilder ineinander übergehen und verschieben. Was flach ist, erscheint dreidimensional, was als Objekt hervortritt, kann wie eine gemalte Fläche wirken. Mit dem Blick eines Flaneurs und der Akribie eines Sammlers hat Kosuke Nakane Berliner Fassadentypen dokumentiert und zu einer Typologie gebauter Gesichtszüge geordnet. Türen, Fenster, Säulen, Dächer städtischer Fassaden spielen die Hauptrollen in seinen virtuosen Assoziationen der gebauten Umwelt. Begriffe wie „soft groove“, „like sand dunes“ oder „skin sensation“ verweisen auf die animistische Aufladung leblosen Oberfläche aus Stein und Beton. Für den Maler besitzen Fassaden die Beschaffenheit von Haut oder die Markanz geologischer Formationen, in denen sich Spuren von Menschen und der Natur überlagern. „The paint is like sand, it tends to drip“, beschreibt er seinen minutiösen Arbeitsprozess, den er kniend auf dem Boden ausführt. Seine Arbeit basiert auf präziser, disziplinierter Handarbeit: von der Vorzeichnung bis zum Auftrag traditioneller Malmaterialien. Die Mineralpigmente (Iwa-enogu) – gewonnen aus Natursteinen und Erden – werden mithilfe von Knochenleim (Nikawa) und feinen Pinseln auf Washi – Papier gesetzt, beinahe wie Sandkörner, die sich Schicht für Schicht ablagern. Außerdem kommen oft Pulver aus Muschelschalen (Gofun), ultradünne Blattmetalle und Sumi-Tusche zum Einsatz. Da sich die Pigmente nicht vollständig miteinander vermischen, bewahrt jede Schicht ihre eigene Zeitlichkeit und Narration; zusammen bilden sie einen matten, vielschichtigen Farbkörper . So verbindet Kosuke Nakane virtuos die japanische Tradition des _mitate_ mit der europäischen Geschichte gemalter Augentäuschung. Inspiriert vom Trompe-l’œil evoziert seine Malerei die Fantasien barocker Illusionsmalerei. Doch während diese den Blick in monumentale Scheinräume oder in die Unendlichkeit eines sakralen Himmels lenkt, verweisen seine Arbeiten auf die Diskrepanz zwischen den physischen Oberflächen unserer gebauten Umwelt und unserem digitalisierten Alltag. In einer Zeit, in der Bilder mühelos erzeugbar sind, scheint die Wirklichkeit endgültig ins Wanken geraten zu sein. Was nicht real ist, kann real erscheinen, was tatsächlich existiert, kann verunsichern. Seine Malerei fragt danach, was unserem Blick entzogen bleibt, und wie sich Wahrnehmung unter algorithmisch erzeugten Oberflächen und KI-generierten Informationen verändert. Darum kommt Kosuke Nakanes material- und zeitintensivem Malprozess eine zentrale Bedeutung zu. Er insistiert auf einer langsamen und körperzentrierten Erfahrung unserer Lebensräume, und lädt uns ein, neu zu entdecken, was unserem digital gewöhnten Blick zu entschwinden droht.

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paintingillusionarchitecture
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