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Träumen: Annemirl Bauer und Bärbel Bohlen

Annemirl Bauer, Bärbel Bohley

Sep 23 – Nov 8

Galerie im Turm
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Galerie im Turm

Frankfurter Tor 1, Berlin, Germany 10243

Mon-Fri 12pm-6pm, Sat-Sun 2pm-7pm

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„Wenn ich jemandem gegönnt hätte, dass er noch erlebt, dass die Mauer offen ist, dann Annemirl. Weil die so reiselustig war \[…\] Sie war wirklich ihr ganzes Leben lang so ein Vogel, der gegen den Käfig fliegt.“ Bärbel Bohley Die Ausstellung „**Träumen“** bringt das Beziehungsfeld zweier außergewöhnlicher Persönlichkeiten und politischer Stimmen zusammen: Annemirl Bauer und Bärbel Bohley. Beide verstanden sich als Künstlerinnen und politische Aktivistinnen. Sie widersetzten sich unbeirrt dem politischen Regime, das sie wiederholt bestrafte und degradierte. Beide waren Mütter und träumten von einem besseren Sozialismus. Christa Wolf fasste dies am 4. November 1989 in Worte: „Also träumen wir, mit hellwacher Vernunft.“ Ausgangspunkt für die ifa-Ausstellung „**Träumen: Annemirl Bauer und Bärbel Bohley“** ist ein Porträt von Annemirl Bauer mit ihrer Tochter Amrei, das Christian Borchert 1975 in ihrem Atelier im Prenzlauer Berg fotografierte – ein berührendes Zeugnis der Verbindung Mutter, Tochter, Kunst. Die Mappe Borcherts aus dem Bestand des Zentrums für Kunstausstellungen der DDR (ZfK) ist eine ikonische Dokumentation der Künstler:innenszene der DDR und wirft Fragen nach Sichtbarkeit und Ausschluss auf: Wer wurde gefördert, wer ausgeschlossen? Das ZfK arbeitete eng mit dem Verband Bildender Künstler der DDR (VBK) zusammen. Der VBK war ein Organ, das die Wege der Künstler:innen maßgeblich bestimmte – Ausschluss kam faktisch einem Berufsverbot gleich. Annemirl Bauers Kunst ist eng mit ihrer Biografie verbunden. 1939 in Jena geboren, begann sie früh eine Ausbildung zur Keramikerin und Spielzeuggestalterin. Wann immer es ihr möglich war, reiste sie – nach Frankreich, Bulgarien, Spanien und in die CSSR. Im Anschluss an ihre zweite Frankreichreise begann sie ihr Studium, das sie 1964 beendete. Als Absolventin der Kunsthochschule wurde sie automatisch Mitglied des Künstlerverbandes. Bauer entwickelte sich schnell zu einer kritischen Stimme gegen das dogmatische Kunstsystem der DDR. Als alleinerziehende Mutter lebte sie prekär und war Opfer sogenannter „Zersetzungsmaßnahmen“ der Stasi. Ihre Kunst verbindet farbigen, figurativen Realismus mit expressiven, unmittelbaren Zeichnungen; sie malte und zeichnete permanent, auf unterschiedlichsten Untergründen und porträtierte zahlreiche Kolleg:innen, darunter auch Bärbel Bohley. Diese verteidigte Bauer, als sie vom VBK ausgeschlossen werden sollte, und engagierte sich selbst im VBK. Bauer protestierte wiederholt gegen Reisebeschränkungen und Wehrpflicht für Frauen. 1984 forderte sie die allgemeine Reisefreiheit, woraufhin sie mit einem Berufsverbot und Repressionen durch die Staatssicherheit sanktioniert wurde. Kurz vor dem Fall der Mauer 1989 erlag sie mit fünfzig Jahren einer Krebserkrankung. Bohley verabschiedete sich im selben Jahr von der Kunst. Auf die Bitte um eine Grafik reagierte sie mit der Aufschrift „Manchmal ist Kunst abwesend!“ – ihre letzte Geste als Künstlerin. Fortan war sie als Politikerin des Neuen Forums am sogenannten Runden Tisch aktiv, eine Rolle, die sie zumindest national bekannt machte. Die Idee, Menschen an einem Tisch zusammenzubringen, um Veränderung in Gang zu setzen, kann als ihr eigentliches Kunstwerk angesehen werden. Bohleys Werk umfasst Druckgrafiken, Zeichnungen und Malerei, die sich auf den Menschen konzentrieren – das Individuum als Teil der Gruppe oder von dieser isoliert. Damit stellt sie der kommunistischen Ideologie, die den einzelnen Menschen im Kollektiv aufgehen lässt, das Individuum entgegen. Im Bestand des ZfK befindet sich kein Werk Bauers und nur wenige Arbeiten Bohleys; beide hatten nie eine Ausstellung in der Galerie im Turm. Diese wurde 1965 am Frankfurter Tor als Ausstellungsort des VBKD gegründet. „**Träumen: Annemirl Bauer und Bärbel Bohley“** möchte diese Lücke schließen und eine Korrektur an jenem Ort, der diese beiden Künstlerinnen bewusst ausgeschlossen hat, vornehmen, und das widerständige Werk beider Künstlerinnen würdigen. 2010 wurde ein Platz nach Annemirl Bauer benannt; eine Würdigung von Bärbel Bohley als bildende Künstlerin steht weiterhin aus.

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