
Säulenordnung
Daphne Schüttkemper
Galerie im Turm
Frankfurter Tor 1, Berlin, Germany 10243
Mon-Fri 12pm-6pm, Sat-Sun 2pm-7pm
Admission
Free Admission
About
Säulenordnung, eine Einzelausstellung der Künstlerin Daphne Schüttkemper, untersucht, wie Architektur und Kunst im öffentlichen Raum Macht nicht nur abbilden, sondern ausüben. Schüttkemper greift architektonische Elemente im Stadtbild auf, die Macht symbolisieren, und führt sie in eigene skulpturale Arbeiten über, um ihre Wirkung zu hinterfragen. Im Mittelpunkt steht die Säule: im westlichen Kontext weit mehr als ein tragendes architektonisches Element, ist sie als ästhetisches Symbol allgegenwärtig. Die griechische (klassische) Säulenordnung – dorisch, ionisch, korinthisch – wurde seit der Renaissance zum Maßstab erhoben. Grundlage dafür war die Idealisierung der griechischen Antike als vermeintliche Wiege der Zivilisation. Im deutschen Kontext wurde diese Formensprache besonders wirkmächtig: Vom preußischen Klassizismus bis zu den Monumentalbauten des Dritten Reichs diente sie als architektonische Beglaubigung staatlicher Autorität, als steingewordener Anspruch auf Dauer und Legitimität. Doch die Säule, wie Schüttkemper zeigt, steht kaum von alleine: Diese Ordnung stützt sich auf Gewalt, auf die kulturelle Begründung kolonialer Herrschaft, die nicht-europäische Bevölkerungen als “barbarisch” konstruierte und die europäische Kolonisierung als zivilisatorische Mission legitimierte. Ordnung ist in Deutschland nicht nur ein ästhetisches, sondern ein moralisches, ein staatliches Ideal. Sie wird nicht verordnet, sie wird eingeübt, bis sie wie Selbstverständlichkeit wirkt. Schüttkemper lenkt den Blick auf das, was dabei unsichtbar wird: auf Löwen, die als Symbole kolonialer Exotik und Stärke still die Eingänge öffentlicher Gebäude bewachen. Auf Adler, die als nationales Symbol trotz ihrer Geschichte der politischen Instrumentalisierung bis heute Fassaden und öffentliche Räume prägen. Symbole der Herrschaft, so vertraut, dass sie kaum noch wahrgenommen werden. So fraglos präsent, dass es keiner Erklärung zu bedürfen scheint. Doch Normalität ist keine Neutralität. Die Säulen stehen. Unscheinbar und unbewegt.