
WAS ICH WILL: Die Künstlerinnen der Galerie

Galerie EIGEN + ART
Auguststraße 26, Berlin, Berlin 10117
Tue–Sat 11am–6pm
Admission
Free Admission
About
Wenn die Künstlerinnen einer Galerie zusammenkommen, um als Individuen Teil einer gemeinsamen Ausstellung zu sein, dann steht diese unter einem besonderen Stern. Die 17 Künstlerinnen waren eingeladen, Werke zu schaffen oder auszuwählen, die unter dem Titel „WAS ICH WILL" die vielfältigen Facetten weiblichen Lebens und Erlebens aufgreifen. „Was ich will" suggeriert eine Sicherheit, einen festen Stand, eine Erkenntnis, die aber immer wieder unterlaufen wird und ins Schwanken gerät. Doch in jedem Fall bedeutet der Titel eine Ansage. Die Polyphonie ihrer künstlerischen Stimmen hebt an und führt durch die Kunst ins Leben. Zu Erinnerungen und Sehnsüchten, zu denen, die man liebt, zu Ängsten und Traumata, zur Frage, wer man ist, zu wem man gemacht wird, zu wem man sich selbst gestaltet, dazu, wer man bleibt, wenn manche Fassade, manches Gerüst wegfallen, wenn nur noch die Hoffnung da ist (aber wieviel Kraft kann sie geben!), wenn die Traurigkeit so stark ist, dass man sich nur noch an das Elementarste halten kann, wenn der Krieg so viel genommen hat? Wohin lösen wir uns auf, wenn die digitale Welt realer wird als der Boden, auf dem unsere Füße stehen? All das und mehr klingt an und nimmt medienübergreifend Form an. Da gibt es romantische Verbindungen in die Vergangenheit, die Porträts einer vor über 100 Jahren vorangegangenen Generation, entstanden im Fotografenatelier, um Andenken für die zu sein, von denen der Große Krieg sie trennen wird, dann ein Schlagzeug, das uns in die Gegenwart holt und jugendliche Lebendigkeit im Jetzt zelebriert und zugleich den unerträglichen Gedanken eröffnet, was wäre, wenn auch der junge Drummer, dieses Kind in früher Blüte, gezwungen wäre, in einen Krieg zu ziehen. Sein konzentriertes Spiel, Trommelschlag um Trommelschlag, ist dem militärischer Kapellen verwandt und doch so fern davon. Dann das abstrahierte Gerüst einer Schaukel. Das Vorbild dieser Abstraktion wurde in einem anderen Krieg zerstört, es wird zum Sinnbild einer geraubten Möglichkeit, kindlich ausgelassen zu sein. Es steht für den Verlust des Ortes, an dem einmal in Frieden gespielt werden konnte. Das Fragment der Schaukel steht nun im Land der Zuflucht, der neuen Heimat des Kindes und seiner Mutter. Schwarze Blumenblüten, Veilchen wohl, sind in einem anderen Werk in einen sich selbsterhaltenen Zyklus eingebunden. Eine Flüssigkeit tropft von der einen Blüte in die andere, tröpfelt ihr etwas ein. Über ein Rohr sind sie miteinander verbunden, eine fortlaufende Übertragung findet statt. Vormals „sittsam und rein", wie es im lieblichen Poesiealbumspruch heißt, scheinen sie mit ihrer schwarzen Farbe und schmierigen Oberfläche nun nicht mehr zu sein. Hier klingt die genetische Vererbbarkeit von Traumata an, der Unausweichlichkeit, dem zu entkommen. Und schließlich geht die Version eines Selbst in Flammen auf. Eine Puppe als Nachbildung der Künstlerin, mit KI ausgestattet und von der Technik durch ein Update letztlich innerlich aufgefressen, von Teilen des Publikums zuvor belästigt und beleidigt, kann sie im Bedürfnis, Kontrolle zurückzuerlangen und Freiheit zu gewinnen, nur noch zerstört werden. Geht es damit back to the real world? Der Strahlkraft und Wirkmacht, die von den Werken in der Ausstellung ausgeht, wird man sich nicht entziehen können. Sie stellen radikal in Frage, dekonstruieren, bauen neue Visionen, sind Traumbilder, sind harte Realitäten, sind mal zart und subtil, mal in your face. Sie sind so mannigfaltig, wie unsere Leben es sind und doch lässt sich eigenes Erleben und Empfinden immer wieder als vergleichbare gemachte Erfahrung daran anknüpfen. „Was ich will" ist wie ein Schrei, dringlicher denn je.